| "Französisches
Viertel " in Tübingen
Gemischtes Stadtquartier auf
ehemaligem Kasernengelände
Auf einer etwa 60 Hektar großen
Militärbrache in der Südstadt Tübingens
entsteht seit dem Abzug der französischen Truppen
ein gemischtes Stadtquartier. Insgesamt sollen Wohnungen
für 6.000 Menschen und rund 2.500 Arbeitsplätze
geschaffen werden. Durch eine hohe Nutzungs- und Gestaltungsvielfalt
in Blöcken und Gebäuden sollen Wohnen, Versorgung,
Kultur und Gewerbe eng miteinander verzahnt werden. Das
Vorhaben wird in Form einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme
durchgeführt. Das Projektmanagement für die
Entwicklung des Gebietes obliegt dem Tübinger Stadtsanierungsamt.
Jahrelang bildeten die französischen Kasernen eine
Siedlungsbarriere in der Tübinger Südstadt.
Mit der Auflösung des Stützpunktes bot sich
der Stadt Freiburg die Möglichkeit, innenstadtnah
einen neuen Stadtteil zu entwickeln. Die Stadt hat das
Kasernengelände unmittelbar nach dem Abzug der französischen
Truppen übernommen und als städtebaulichen Entwicklungsbereich
festgesetzt. Das Areal wird seitdem durch Umnutzung der
vorhandenen Bausubstanz und Ergänzungen durch Neubau
zu einem lebendigen Stadtquartier mit urbanem Charakter
entwickelt. Die Quartiere erhielten eine kleinteilige
Parzellenstruktur, die ein Nebeneinander unterschiedlich
genutzer Einheiten zulässt. Mit dem Erlös aus
dem Verkauf der Grundstücke können Infrastrukturmaßnahmen
und kulturelle Einrichtungen finanziert werden. Auf der
Grundlage eines Rahmenplans werden für die einzelnen
Teilbereiche Bebauungspläne erarbeitet, die keine
Vorgaben bezüglich der Nutzungsmischung enthalten.
Das angestrebte Ziel "innerstädtischen Wohnens
und Arbeitens" mit gemischter Sozialstruktur soll
durch vielfältige Wohnformen erreicht werden. Neben
den drei- bis fünfgeschossiger Stadthäusern
in geschlossener Blockrandbebauung ist ein Unterbringung
von gewerblichen Betriebsflächen, Werkstätten,
Läden und Wohnungen neben- und übereinander
ausdrücklich erwünscht . Aus diesem Grunde wurde
das gesamte Areal als Mischgebiet ausgwiesen. Die Art
der Nutzungsmischung bleibt weitgehend den zukünftigen
Nutzern überlassen. Angestrebt wird die Bildung von
Baugemeinschaften, die für den eigenen Wohn- und
Gewerbebedarf bauen wollen. Nebeneffekte dieser Vorgehensweise
erwünscht man sich für die Entwicklung von sozialer
und kultureller Infrastruktur als Produkte von gewerblicher
und bürgerschaftlicher Tätigkeit.
Ein gemischt genutztes Stadtgebiet
ist auch eine "Stadt der kurzen Wege". Der Straßenraum
wird zum öffentlichen Raum, wenn Straßen und
Plätze primär als Aufenthaltsräume für
die Bewohner dienen. Ergänzend zum Prinzip der "Stadt
der kurzen Wege" wird im Französischen Viertel
ein innovatives Verkehrskonzept mit zentralen Parkierungsanlagen,
quartierseigenen Car-Sharing-Angeboten und Mehrfachnutzung
von Parkplätzen durch Langzeit- und Kurzzeitparker
umgesetzt. Autonutzer haben vom Parkplatz dieselbe Entfernung
zurücklegen wie ÖPNV-Benutzer von der Haltestelle.
Auf diese Weise wird umweltfreundlichen Verkehrsarten
Priorität einräumt. Der Einsatz von Nahwärme
und die Entsiegelung vormals versiegelter Flächen
sind weitere ökologische Faktoren.
Nach und nach entwickelt sich in der
Tübinger Südstadt ein lebendiger Stadtteil mit
unverwechselbarem Charakter. Bürgergruppen wie das
"Forum Französisches Viertel" oder die
"Bürgerinititative Südstadt" verstehen
sich als Interessenvertretung der Menschen im Stadtteil.
Sie bieten eine Plattform für Diskussionen, Meinungsbildung
und Interessenausgleich und fungieren als Kontaktstelle
zum Stadtsanierungsamt. Nach Abschluss aller Arbeiten
im Jahre 2010 wird das Gebiet eine Mischstruktur haben,
wie sie sonst nur in "gewachsenen" Stadtteilen
anzutreffen ist.
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