| Umwandlung des "Stoelcker-Areals", Ettenbach
Von der Industriebrache zum Wohnquartier
Mit der Insolvenz der traditionsreichen Ettenheimer Stuhlfabrik entstand im Jahr 1992 in innenstadtnaher Lage die Gewerbebrache „Stoelcker-Areal“. Durch Größe und zentrale Lage der Industriebrache ergab sich für die Stadt Ettenheim die Chance, auf dem ehemaligen Fabrikgelände das rd. 8 ha großes Wohn- und Mischgebiet „Quartier am Ettenbach“ zu entwickeln und zu erschließen. Mittels eines städtebaulichen Vertrages und eines Erschließungsvertages wurde die Entwicklung des Gebiets verwirklicht. Auf einer Fläche von 7 ha entstanden Wohnungen für 400 bis 450 Einwohner. Die GFZ des Mischgebietes beträgt 0,6 bis 1,8, die GRZ 0,35 bis 0,6.
Inzwischen ist aus der ehemaligen Gewerbebrache ein attraktives, innenstadtnahes und naturnahes Wohngebiet geworden. Im nordwestlichen Bereich wurde zudem Platz für Handwerk und Dienstleistungen geschaffen. Rund 230 innenstadtnahe Wohneinheiten sind dort in unterschiedlichen Bauformen neu geschaffen worden. Das Gebiet wird von einer modernen und ressourcenschonenden Nahwärmeanlage mit Holzschnittfeuerung versorgt. Mit einem Seniorenwohnheim sowie neu geschaffenen Kinderspielplätzen verfügt das "Quartier am Ettenbach" über eine attraktive Wohninfrastruktur für ältere und junge Menschen. Mit seinen Rad- und Fußwegen ist es gut an die Umgebung und die Innenstadt angebunden. Insgesamt konnte mit der Umnutzungsmaßnahme die Ausweisung von rund acht Hektar Wohnbauland vermieden und die Zentrumsfunktion der Stadtmitte Ettenheims gestärkt werden. Bei der Entwicklung des ehemaligen Gewerbestandortes stellten sich die Altlastenbefunde als große Herausforderung dar. Einerseits galt es, die Belastungen und Risiken möglichst frühzeitig und verlässlich einschätzen zu können. Andererseits stellte das Umnutzungsziel „Wohnen“ sehr hohe Anforderungen an die Bodenqualität des ehemaligen Fabrikgeländes. Die Maßstäbe der Wirtschaftlichkeit mussten bei der Sanierung der Altlasten im Blick behalten werden, um letztlich baureifes Land zu marktgerechten Bodenpreisen anbieten zu können, eine der wichtigsten Voraussetzung für die Entwicklung von Industriebrachen.
Auch in ökologischer Hinsicht bestanden bei der Reaktivierung der Industriebrache spezielle Herausforderungen. Der Bestand einer auf dem ehemaligen Fabrikgelände ansässigen und schützenswerten Fledermauskolonie konnte unter Mitwirkung von Naturschutzexperten erhalten werden. Entlang des Ettenbachs entstanden Grünanlagen und Feuchtbiotope, die gleichzeitig die Funktion von Regenrückhaltebecken erfüllen und somit dem Hochwasserschutz Rechnung tragen.
|