| Das
Modell Winterlingen
Ökologische Regenwasserbewirtschaftung
Laufende Investitionen in den Ausbau
von Kanälen und zusätzliche Rückhaltebauwerke
treiben die Kosten für die Abwasserbehandlung in
den Kommunen immer mehr in die Höhe. Ursache hierfür
ist in erster Linie das Niederschlagswasser, das kurzfristig
in großen Mengen in das Abwassernetz gelangt. Dies
geschieht, obwohl die technischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen
vorhanden sind, um einen naturverträglichen Umgang
mit Regenwasser zu praktizieren. Während die früher
geltenden Vorschriften zur Regenwasserbehandlung die Zuführung
des gesamten Regenwassers in die öffentliche Kanalisation
verlangten, erlaubt die neue Niederschlagswasserverordnung
des Landes Baden-Württemberg inzwischen die dezentrale
Entsorgung von unbelastetem Regenwasser ohne Anschluss-
und Benutzungszwang an die öffentliche Kanalisation.
Die Gemeinde Winterlingen hat sich
bereits im Jahre 1994 dafür entschieden, der Vermeidung
von Regenabflüssen grundsätzlich Priorität
vor der Ableitung einzuräumen. Dabei wird auf die
Koordination von kommunalem und privatem Handlungsbedarf
größten Wert gelegt. Diese Vorgehensweise führt
zur Verringerung der Investitionskosten, insbesondere
im privaten Bereich und vermeidet vor allem Doppelinvestitionen.
Die Planung basiert auf einer differenzierten Grundlagen-
und Bestandserhebung. Mit Hilfe von Luftaufnahmen wurde
ein digitales Gelände- und Oberflächenmodell
erstellt und eine Kanalnetz-Neuberechnung durchgeführt.
Zur Beurteilung der Versickerungsmöglichkeiten wurden
Durchlässigkeitsuntersuchungen anhand von Bohrungen
und Schürfungen vorgenommen. Aus den Ergebnissen
wurde eine Arbeitskarte für das Gemeindegebiet erstellt,
die Aufschluss über die Versickerungsfähigkeit
der verschiedenen Flächen gibt.
Schon bei der ersten Bürgerversammlung
im November 1997 wurde deutlich, dass der eingeschlagene
Weg hin zu einer ökologischen Regenwasserbewirtschaftung
mit breiter Unterstützung aus der Bürgerschaft
rechnen konnte. Zudem stellte sich heraus, dass für
die Bürgerschaft neben finanzieller Förderung
auch planerische Unterstützung seitens der Kommune
notwendig war. So wurden Demonstrationsanlagen realisiert
und ein Bürgerbüro eröffnet, das alle wichtigen
technischen Details der ökologischen Regenwasserbewirtschaftung
ausstellt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger
werden dort von der Antragstellung über die Planung
mit Kostenvoranschlag bis zur Fertigstellung der Entsiegelungsmaßnahmen
umfassend betreut.
|
|