| Entwicklungskonzept
Hegauer Aach
Wiederherstellung eines lebendigen
Flusses
Die Hegauer Aach ist die Lebensader
des Hegaus. Sie entspringt im Aachtopf, der größten
Karstquelle Deutschlands, und mündet nach rund 32
Kilometern bei Radolfzell in den Bodensee (Abb. 1). Der
Aachtopf wird überwiegend von Donauwasser gespeist,
das zwischen Immendingen und Fridingen im durchlässigen
Kalkuntergrund versickert. Auf weiten Strecken hatte die
Aach ursprünglich große Schlingen, sogenannte
Mäander, ausgebildet. Um Überschwemmungen zu
verhindern, wurde die Aach jedoch seit dem Mittelalter
begradigt und technisch ausgebaut. Ebenfalls seit dem
frühen Mittelalter wurde die Wasserkraft der Aach
zum Antrieb von Mühlen genutzt. Noch heute treibt
sie mehrere Turbinen zur Stromerzeugung an.
Um die Bewirtschaftung der häufig
überschwemmten Feuchtwiesen zu verbessern, wurde
die Aach in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
auf weiten Strecken kanalisiert. Alle Mäander am
Mittellauf des Flusses wurden zugeschüttet. Aus dem
in großen Schlingen Richtung Bodensee fließenden
Fluss wurde ein weitgehend gerader Kanal (Abb. 2). Leider
wurden dadurch die Vielfalt der Lebensräume gewässertypischer
Tier- und Pflanzenarten vermindert und die Zugänglichkeit
und Erlebbarkeit des Flusses stark eingeschränkt.
Zu Ostern 1988 brach an der Hagauer
Aach ein Damm an einem Wehr. Der Fluss bildete daraufhin
einen Mäander auf der überschwemmten Fläche
(Abb. 3). Viele Leute kamen, um dieses Naturschauspiel
zu bestaunen. Erste Überlegungen wurden gemacht,
wie man den Mäander erhalten könne. Im Anschluss
an eine Bestandsaufnahme erarbeitete die Gewässerdirektion
ein „Wasserwirtschaftlich-ökologisches Entwicklungskonzept"
(WÖK) mit dem Ziel, dem Fluss und seiner Tierwelt
wieder mehr Raum zu geben und die Bevölkerung für
dieses neue Ziel zu gewinnen. Durch enge Zusammenarbeit
zwischen Behörden, Verbänden, Naturschutz und
Landwirtschaft gelang eine Thematisierung des Aachprojekts
in der breiten Öffentlichkeit.
Im Rahmen des WÖK wurden seitdem
zahlreiche Maßnahmen zur Wiederherstellung einer
ökologischen Durchgängigkeit des Gewässers
unter Einbeziehung des Talraums umgesetzt (Abb. 4-6).
Dazu gehören die Wiederherstellung zahlreicher Mäander,
der Rückbau größerer Sohlabstürze,
die Anlage von Wässerwiesen als Baustein für
die Auenregeneration und die Einrichtung eines Flusserlebnispfades
an der Aach für Wanderer und Fahrradfahrer.
Anlässlich der Landesgartenschau
wurde auch die Aach im Stadtbereich Singen wieder naturnäher
gestaltet. Es gelang, einen durchgehenden Gewässerandstreifen
auf öffentlichem Grund auszuweisen. Zum Schutz der
Aach wird dieser von Bebauung und gewässergefährdenden
Nutzungen freigehalten. Seither ist der Fluss und sein
Umfeld wieder stärker in seiner Ursprünglichkeit
erlebbar. Uferabflachung und Gestaltung strömungsarmer
Buchten machen insbesondere für Kinder den gefahrlosen
Zugang zum Gewässer möglich. Der teils standortfremde,
teils überalterte Baumbestand ist durch standortgemäße
Gehölze ersetzt bzw. ergänzt worden. Schwarzerle
und Silberweide bilden mittlerweile die Gewässerrandbepflanzung
und sichern das Ufer.
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